Die Mittelschicht im Hamsterrad
„Nachdem die Mittelschicht, die in der Finanzkrise am Kräftigsten draufgezahlt hat, Investmentbanker und Unternehmer als Feindbilder etabliert hat, will sie sich jetzt mit einer Umverteilung zulasten der Reichen und Erfolgreichen wehren. Der Plan würde gründlich schief gehen. Die Reichen würden ihr Geld ins Ausland bringen, betroffen wären nur jene, die mit Fleiß und gute Ideen nach oben wollen. Feudalsysteme alten Musters könnten sich neu etablieren, weil die Vermögenden keine Konkurrenz mehr von unten hätten.
Die Mittelschicht würde sich damit auch einen Ausweg verbauen, den sie in Zukunft brauchen wird. Denn sie ist in ihrer jetzigen Form ein durch den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenes historisch und geografisch einmaliges Phänomen mit Ablaufdatum. Mit jeder ökonomischen Erschütterung wird sich das Grundmuster des globalen ökonomischen Systems ein bisschen mehr durchsetzen: Wenige haben viel, viele haben wenig. Für die Mittelschicht heißt das Auf- oder Abstieg. Verstellt sie sich den Weg nach oben selbst, bleibt der nach unten.
Dabei wären dank der Globalisierung und des Informationszeitalters die Aufstieg-Chancen besser denn je. Anleger haben jetzt Zugang zu den gleichen Informationen wie Wallstreet-Broker, ein Unternehmen zu gründen und es gibt viel mehr Kapital für kreative Ideen als früher. Wer diese Chancen nützen will, muss aber mit den Konventionen der Mittelschicht brechen: Angestelltenjob, Eigenheim auf Pump, Leasingauto und auf gut Glück an der Börse spekulieren. Das heißt strampeln im Hamsterrad, und am Ende ist im besten Fall das Eigenheim abbezahlt.
Die für sie fatalen ökonomischen Konventionen werden der Mittelschicht vom Bildungswesen, den Finanzberatern oder etwa den Boulevardmedien eingetrichtert. Als Aktien teuer waren, hieß es: Kaufen! Als sie billig waren, hieß es: Auf Sicherheit setzen! Dabei müsste jedes Kind wissen, dass man verkaufen soll, wenn alles teuer, und kaufen, wenn alles billig ist. Die Mittelschicht wurde zweimal gründlich abgezockt, und so läuft es für sie im Prinzip in allen wirtschaftlichen Fragen.
Sich abzukoppeln hieße, gegen das System zu rebellieren. Gegen den Strom zu investieren, unternehmerisch zu denken oder auf sinnloses Mittelschichts-Prestige wie den neuen Leasingwagen zu verzichten, das wäre schon eine Art „Fuck the Establishment“. Da bleibt die Mittelschicht lieber auch dann mit der Herde, wenn sie ins Feuer trabt. Und dabei behauptet sie dann, die arroganten Investmentbanker und die gierigen Unternehmer seien an allem schuld.“
Der Autor: Gerald Hörhan holte als Jugendlicher bei der Mathematik-Olympiade eine Silbermedaille für Österreich. Später schloss er in Harvard Studien in angewandter Mathematik und Betriebswirtschaft magna cum laude ab, arbeitete für McKinsey & Co (Frankfurt) und sammelte bei JP Morgan (New York) Wallstreet-Erfahrung. Jetzt ist er Eigentümer und Vorstand eines international tätigen Corporate Finance Unternehmens und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in Investment Banking, Corporate Finance, Private Equity und Alternative Investments.
Das Buch: Gerald Hörhan, „Investment Punk ¬– Warum ihr schuftet und wir reich werden“ (edition a, 19,95 Euro) Ein sicherer Angestelltenjob, ein Eigenheim auf Pump, ein Leasingauto und ein bisschen an der Börse spekulieren: Wer in diesem Hamsterrad strampelt, wird immer nur abgezockt. Investmentbanker Gerald Hörhan zeigt den Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit: Wahre Aufsteiger müssen bereit sein, die ökonomischen Konventionen der Mehrheit hinter sich zu lassen.
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